Angst vor dem Internet? Angst vor dem Fernsehen.
Vorhin eine interessante Unterhaltung darüber gehabt, warum Menschen Angst vor dem Internet haben (könnten). Festgemacht hat sich die Unterhaltung irgendwie am unser aller Lieblingsmedium Fernsehen.
Dummerweise hab ichs nicht verstanden.
Es ging in etwa wie folgt:
- Man weiss ja im Web nicht, was einen erwartet, wenn man etwas anklickt. Das macht halt unsicher. Beim Fernsehen hat man ja die Fernsehzeitung.
- Doch, man gibt doch selbst eine URL ein. Oder sucht bei Google – da gibts ne Kurzbeschreibung.
- Nein, wenn man etwas anklickt – da weiss man das doch nicht vorher.
- Doch, man sieht in der Statusleiste die URL.
- Aber die versteht doch kein Mensch…
- Ach, die nötige Medienkompetenz um „20:15, 90Min, USA 1968, sw OmU SV765 225″ zu dekodieren ist also geringer als die, die man braucht, um „http://de.wikipedia.org/wiki/Menden_(Sauerland)” zu verstehen?
- Ja, aber im Web rutscht man trotzdem öfter mal in Inhalte, die man gar nicht sehen will. Da ist alles extremer.
- Ach weisst Du, seit diese ganzen Tierarzt-Dokus laufen muss ich beim Mittagessen immer aufpassen, dass ich nicht beim Einschalten schon mitten in einem Kuh-Hintern lande. Den will ich dann weder sehen noch habe ich ihn hinter dem schönen Titel „Giraffe, Erdmännchen und Co” erwartet. Und auch abends bei Big Brother fremden Menschen beim Rücken-Enthaaren zuzuschauen – das will auch nicht jeder.
- Man kann ja auch wegschalten, wenn man etwas nicht sehen will. Das geht im Web nicht.
- Wie? Du MUSST lesen, was vor Dir steht? Außerdem: Ich hab ja schneller den „Back”-Button gedrückt, als ich den Blick aus der Kuh nehmen konnte. Unsere Fernbedienung hat da ja so ein bisschen Delay.
- Außerdem steht so etwas doch auch in Fernsehzeitungen – im Web bewertet doch niemand vorher, was sich hinter einem Link verbirgt – da weiss man nicht, was kommt.
- Ach, aber wenn man im Fernsehen eine spannende Dokumentation über etwas angekündigt bekommt und dann doch bloß Galileo kommt – da bekommt man, was angekündigt war?
Es ging dann noch eine Weile so hin und her – aber ich fürchte, für mich steht am Ende das Ergebnis: Wer solche Argumente bringt, der hat nur einfach keine Lust oder ist zu faul, sich auch nur das geringste bisschen mit dem Medium auseinander zu setzen.
Oder die Angst hat eigentlich ganz andere Gründe. Abr ich fürchte, das ist eine eigene Geschichte.

» just another weblog Herr Trotzdem
(10. Juli 2009 - 10:33 Uhr)
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