Die Diskussion um Zensur im Internet hat gerade erst angefangen.
Im allgemeinen Wut- und Enttäuschungsgetwitter gestern abend stieß ich irgendwann zwischendurch auf einen Satz von Alvar Freude:

Ein guter, ein wichtiger Satz. Kein leichter Satz.
Natürlich bin ich enttäuscht, entsetzt und wütend.
Wütend über die Dummheit, mit der unsere Politiker gestern Abend meiner Meinung nach unser Grundgesetz gebrochen haben und das Ende der Gewaltenteilung und den Beginn einer nicht einmal von der staatlichen Judikation kontrollierten Zensur ausgerufen haben.
Ich bin enttäuscht über das Desinteresse meiner Mitmenschen – mal wahllos herausgepickt zum Beispiel das Desinteresse der 150 Menschen, die ich angeschrieben habe – und von denen exakt einer reagierte. Enttäuscht auch von der NGO, mit der ich sprach, und die aus Überlastung keine eigene Meinung entwickeln konnte.
Entsetzt über das Desinteresse der meisten Medien die zumeist nicht verstanden haben, worum es geht oder blind Pressemeldungen verteilt und billige Stimmungsmache brav weiterverteilt haben.
Entsetzt über die Entscheidung, die dort gestern Abend von einem Teil unserer Regierung getroffen wurde.
Aber: So geht Demokratie. Demokratie beugt sich der Mehrheit.
Schwer wird das dann, wenn man selbst so voller Herzblut dabei ist. Wenn man selber doch wirklich weiß, dass der andere Blödsinn redet. Oder nur aus Wahlkalkül augenscheinlich stimmenbringende Polemiken unters Volk wirft.
Aber wenn wir es – so schwer es gerade ist – schaffen, einen Schritt zurück zu gehen und nicht allen, die dort gestern Abend zugestimmt haben pure Boshaftigkeit unterstellen, dann geht es „denen” genau wie uns. Sie fanden sich in einer Diskussion wieder auf die sie (genau wie „wir”) nur den eigenen Blick hatten und in der „die anderen” (also „wir”) mit Polemiken vom Untergang des Abendlandes um sich warfen.
Bei Hanno Zulla las ich gestern:
Warum die Befürworter und Gegner von Internetsperren aneinander vorbeireden
A: “Das Internet ist schlimm! KiPo, Raubmordkopien, Hasspredigten, Bombenbauanleitungen!”
B: “Einzelfälle! Und man kann und es wird ja dagegen vorgegangen!”B: “Da gibt es Missbrauch der Polizeibefugnisse!”
A: “Einzelfälle! Und man kann und es wird ja dagegen vorgegangen!”
So ist es. Jeder hat nur seinen Blick. Die, die (im Moment noch?) in der Mehrheit sind haben ihren.
Auch das ist Demokratie. Und die schätze ich sehr. Auch wenn es – wie heute – nicht leicht ist.
Also – was tun? Weitermachen. Meinungen lassen sich ändern. Verständnis muss wachsen.
Also: Weitermachen. Wir haben Mittel, die vermutlich geschätzten 95% der deutschen Politiker völig unbekannt sind. Wir fühlen uns nach 15 Minuten Tageschau nicht ausreichend infomiert. Wir haben angefangen zu reagieren, bevor Frau Merkel ihre SMS auch nur versendet hat. Wir wissen Abstimmungsergebnisse vor der Presse und können uns schneller und umfassender informieren als je vorher jemand auf diesem Planeten.
Nutzen wir es. Die Diskussion um Zensur im Internet ist nicht vorbei. Die hat gerade erst angefangen.

dave-kay
(19. Juni 2009 - 09:38 Uhr)
ich wüedw sir gerne zustimmen, allein, das ist nicht möglich, da es unmöglich ist, das ergebnis auf schuldlose unwissenheit zu reduzieren. Da sind ganz bewusst expertenmeinungen ignoriert, ausgeblendet, ja sogar zensiert worden. Sicher ist unwissenheit die wurzel dabei, aber niemand dort war offen für meinungen, von menschen, die das wissen haben und deswegenwerde ich persönlich die sp mit allem bekämpfwwn, was ich habe.