Popetown
Das wars dann also.
Ich muss gestehen, ich fands langweilig. Die Optik war nicht meine, diese seltsame Vermischung von Computer – 3D und flachem Cartoon gefiel mir nicht. Die Story flach, die Gags langweilig.
Stellt sich die Frage: „Warum regen sich alle dann so darüber auf?“
Vor allem vorher schon – bei dem Trubel kann man gut davon ausgehen, dass ca. zwei Drittel der Aufreger gar nicht wussten, wovon sie sprachen.
Wobei mich das an eine eigene Erfahrung denken lässt, die ich vor ein paar Jahren hier in meiner kleinen, erzkatholischen Kleinstadt machen durfte musste.
Unser kleiner Theaterverein hatte den Telök zum Gastspiel geladen.
Wer den Telök nicht kennt: Unglaublich böse, respektlose, dreiarmige Comedy. Respekt vor gar nichts. Nichts und niemandem. Jetzt persönlich auch nicht meins, aber ich muss ja auch nicht hingehen.
Der Telök kam mit einem Programm „3 Fäuste für ein Halleluja“ – und wir beklebten fröhlich die Stadt mit dem dazugehörigen Plakat.
Das hätten wir mal besser gelassen.
Dass das Plakat provoziert – kann ich verstehen. Soll ja wohl auch.
Dass innerhalb kürzester Zeit Mendener Pastoren von der Kanzel herab zum Boykott dieser Veranstaltung im speziellen und unseres Vereins im allgemeinen predigten: wow. Haben die nicht besseres zu tun?
Dass am Kirchenausgang dann kollektiv gegen uns Unterschriften gesammelt wurden: hallo? Gruppenzwang galore. „Wenn die Unterschrift auf dem Blatte steht, die Seele aus dem Fegefeuer geht“, oder wie?
Dass der Kulturausschuss einen Antrag bekam, seine Zuschüsse an uns zu streichen – Zuschüsse, die jeder Verein in Menden eh bekommt, egal ob drei Taubenzüchter oder 150 Theaterbegeisterte mit eigenem Zimmertheater: keine halben Sachen, liebe „Christen“. Da kann man schon einmal fix die Trennung von Staat und Kirche vergessen um die Gottlosen zu bestrafen.
Wir wehrten uns. Es gab lustige Leserbriefschlachten und wir stellten uns in die Stadt, um ein bisschen wachzurütteln.
Dummerweise konnte gar keine rechte Diskussion aufkommen, weil wir über die Freiheit der Kunst sprachen und „sie“ über Gott. Dass das nicht in ein Gespräch passt, habe ich damals gelernt. Dass man mit echten sauerländer Erzkatholiken nicht über Gott oder ihren Glauben reden kann auch.
Wir trugen also samstags einen Sarg mit einem Kranz „zum Ableben der Freiheit der Kunst“ durch die Stadt.
Dass wir damit provozierten war klar. Sollte ja auch.
Dass ich mit hasserfülltem „Da solltest Du drinliegen, Du gottloser Flegel“ beschimpft wurde: hui.
Da ist jede Diskussion wirklich schwer.
Wie jede Sau, die nur lange genug durchs Dorf getrieben wurde, lief sich das alles irgendwie tot.
Ach ja: erwähnte ich, dass die Veranstaltung, die das alles irgendwann am Anfang mal ausgelöst hatte nur ca. halb ausverkauft war?
Sollte klar sein, wenn man bedenkt, dass jeder von „ihren“ Leserbriefen mit „Ich war ja nicht da, aber…“ begann.
Wie kam ich da noch drauf? Ach ja. Popetown. Ach Leute, hättet Ihr Euch nicht so aufgeregt, hätte es keine länger als bis zur ersten Werbung gesehen.
Die begleitende Diskussionsrunde war viel spannender – wenn auch in bestürzend anderer Hinsicht: Liebes MTV. Habt Ihr außer Herrn Kavka gar keine Moderatoren?

unionsbuerger
(4. Mai 2006 - 11:24 Uhr)
Wird die Katholische Kirche die Kruzifixen aus dem Landgericht München entfernen lassen ?